20.05.2018

Ist das Ehrenamt in Zukunft noch zu bewältigen?

Autor / Quelle: Rainer Kramer, NFV

Informativer Vereinsdialog mit der Spitze des Niedersächsischen Fußballverbandes beim FC Ummel

Fußball die Nr. 1 in der Welt. Beim FC Ummel im Kreis Rotenburg ist das auch so. Beim heimischen FC wird nur diese Sportart angeboten. 280 aktive Fußballer sind im Verein gemeldet und gehen regelmäßig in der Freizeit Ihrer Lieblingsbeschäftigung nach. Die 1. Herren spielt in der 1. Kreisklasse Rotenburg und belegt einen sicheren Mittelfeldplatz. Dem FC Ummel stehen insgesamt 3 Sportanlagen zur Verfügung: Neben der Anlage in Breddorf können die Fußballer auch auf Sportplätze in den Nachbargemeinden Hepstedt und Kirchtimke zurückgreifen. Im diesem Einzugsgebiet des Vereins wohnen rund 3500 Menschen.

Das ca. 18.000 qm große Sportgelände in Breddorf genügt höchsten Ansprüchen. Eigentümer der Sportanlage in Breddorf ist die Gemeinde. Zwei gepflegte Rasenplätze, davon einer mit Flutlicht, eine kleine Halle und ein schmuckes Klubheim laden zum Sporttreiben ein. Beim jüngsten Vereinsdialog mit der Verbandsspitze des NFV zeigte sich NFV-Präsident Günter Diestelrath beeindruckt: “Eure Anlage macht einen super gepflegten Eindruck.“

Wenn in einigen Wochen die Weltmeisterschaft in Russland angepfiffen wird, schaut die Welt zu. Die Begeisterung des Fußballs ist aber auch beim FC Ummel spürbar. Nur eben im Kleinen, wo die Jungen und Mädchen in elf Nachwuchsmannschaften ihre Lieblingssportart ausüben. 3 Herrenteams und 3 Seniorenmannschaften vervollständigen das Fußballangebot in der 1100 Einwohner zählenden Gemeinde Breddorf in der der FC Ummel beheimatet ist. Im Jugend- und Seniorenbereich wird hierbei zum Teil in Spielgemeinschaften gespielt.

Der Fußball auf dem Land übt bei vielen Einwohnern eine Faszination aus. Hier hilft man sich noch untereinander und packt mit an. Nicht nur bei den jährlich vom FC Ummel ausgerichteten Turnieren sondern auch bei der Besetzung der Ehrenämter hat der FC Ummel ‚noch‘ kein Problem. „Wir konnten bisher immer problemlos alle sieben Vorstands- und Ehrenamtsposten besetzen“ vermeldet der 1. Vorsitzende Matthias Otten. Das ist schon lange bei vielen Vereinen keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber beim FC pflegen sie ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Der FC Ummel steckt sozusagen noch in den Kinderschuhen. Er ist 2012 aus den Herren-Fußballabteilungen des TSV Timke und SV Eintracht Hepstedt/ Breddorf hervorgegangen und bietet seitdem Fußball für „Jung und Alt“ an. NFV-Direktor Steffen Heyerhorst erläuterte die Richtlinien, die bei solchen Zusammenschlüssen zu berücksichtigen sind.

Die Frage:“ Wer will im Verein in Zukunft Verantwortung und zusätzlich auch noch Haftung übernehmen“ stellt sich auch beim FC Ummel. Die steuerlichen Fragestellungen –ob ideeller Bereich, Zweckbetrieb oder wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb – können ehrenamtliche Mitarbeiter schon mal überfordern, so Günter Diestelrath. Da scheint die Frage „ist das Ehrenamt in Zukunft noch zu bewältigen“ für Vereinsvorstände durchaus berechtigt.

Der Moderator des Vereinsdialogs, NFV-Vizepräsident und Bezirksvorsitzender Lüneburg, Hans-Günter Kuers, lobte die Vereinsarbeit beim FC Ummel: „Ihr seid ein gut organisierter Verein und es freut mich, dass ihr mit den Funktionären im Kreis einen unproblematischen Umgang pflegt.“ Uwe Schradick, Vorsitzender des NFV-Kreises Rotenburg, bestätigte dies.

Er informierte, dass es im gesamten Kreis keinen Kunstrasenplatz gibt. „Für den Spielbetrieb im Winter wäre es wünschenswert, wenn wir zumindest auf Samtgemeinde-Ebene jeweils einen Platz, der von mehreren Vereinen genutzt werden könnte, zur Verfügung hätten.“ Schradick schlug vor, mehrere Vereine zusammenzubringen und mit Ihnen zunächst mal Informationsgespräche zu diesem Thema zu führen. Ohne eine Sportstättenförderung vom Land Niedersachsen ist der Bau von Kunstrasenplätzen für mehrere Vereine nach Einschätzung des Kreisvorsitzenden jedoch wohl kaum zu realisieren. Günter Dieselrath versprach, dieses Anliegen weiterhin politischen Vertretern vorzutragen, da die Sportstättenförderung ohnehin Bestandteil der Koalitionsvereinbarung ist.

Uwe Schradick informierte die NFV-Verbandsspitze über die in seinem Kreis geplante Dienstleistungskultur. „Wir möchten unseren Fußballvertretern unsere Angebote vorstellen und wichtige Fragen beantworten. Denn nicht jeder Fußballfunktionär kennt sich zum Beispiel mit unseren Ausschreibungen oder der Nutzung des DFBnet aus.“ NFV-Direktor Heyerhorst lobte diese Initiative: „Das ist ein guter Weg, den ihr gehen wollt. Es gibt zur Weiterbildung auch viele Angebote auf unserer Internetseite.“ Kuers ergänzte, dass es auf den Homepages Fussball.de und DFBnet zusätzlich „riesige Arbeitserleichterungen“ gebe. Außerdem wünscht sich der NFV-Vizepräsident, dass Vereine den Liveticker des NFV häufiger nutzen sollten.

Leichter gesagt als getan. Wie die Vereinsverantwortlichen des FC Ummel mitteilten, funktionierte das Internet in Ihrer Region noch nicht überall einwandfrei. Da werde das Land Niedersachsen hoffentlich in naher Zukunft Abhilfe schaffen. Ein weiterer Wunsch des Vereins ist, dass die Schiedsrichter die Spiele rechtzeitiger bearbeiten und freigeben. Dazu Kuers: „Der Spielbericht sollte eine Stunde nach Spielschluß noch auf dem Sportgelände fertig erstellt sein. Heyerhorst warb ein wenig für Verständnis: „Das ist ein sensibles Thema. Wir möchten es in Zukunft aber hinbekommen.“ Darüber hinaus warb er in diesem Zusammenhang für den Spielbericht online, mit dem längst noch nicht jeder Kreisklassenverein arbeite.

Abschließend wurde beim Vereinsdialog das Problem der Schiedsrichtergewinnung angesprochen. Beim FC Ummel sind es derzeit fünf und damit einige zu wenig. Kuers kennt das Problem und regte an, dass die Anzahl der Pflichtspiele für junge Schiedsrichter mit 15 eventuell zu hoch sei. Vielleicht mache es ja auch Sinn Schiedsrichter höher zu honorieren, wenn Sie nebenbei auch selbst noch Fußball spielten.

Der Fußball lebt mit all seinen Facetten. „Nicht nur bei der Weltmeisterschaft alle vier Jahre, sondern auch in dem kleinen, noch jungen Verein wie dem FC Ummel jeden Tag. Dies spürte die NFV-Verbandsspitze beim Dialog mit den Vertretern des FC Ummel. Günter Diestelrath abschließend: „In jedem Dorf kann Fußball gespielt werden. Das schafft keine andere Sportart. Mit diesem Pfund müssen wir wuchern.“

Beim Vereinsdialog des FC Ummel von links: Steffen Heyerhorst (NFV-Direktor), Jan Sievers, Henrik Gieschen, Detlef Borchers (alle FC Ummel), Günter Diestelrath (NFV-Präsident), Stefan Müller (2. Vorsitzender FC Ummel)), Matthias Otten (1. Vorsitzender FC Ummel), Hans-Günter Kuers (NFV-Vizepräsident und Bezirksvorsitzender Lüneburg), Uwe Schradick (NFV-Kreisvorsitzender Rotenburg), Christoph Beismann (NFV-Referat Nachhaltigkeit), Hans-Jürgen Kotteck (Vorsitzender Qualifizierungsausschuss im NFV-Kreis Rotenburg), Jens Witten (FC Ummel.)

Reiner Kramer 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 14.11.2018