25.11.2019

NFV-Verbandsspitze gastierte zum Vereinsdialog 2019 beim SV Hamersen

Autor / Quelle: Rainer Kramer / Günter Sievers, NFV

Michael Kaiser vom SV Hamersen: Wir werden von der Gemeinde sehr gut unterstützt

Der SV Hamersen hat derzeit eine Altherrenmannschaften und eine S40-Mannschaft in unterschiedlichen Spielgemeinschaften mit den Partnervereinen VfL Sittensen, TuS Tiste und TSV Groß Meckelsen. Die Jugendlichen des Vereins sind alle beim VfL Sittensen untergebracht, in Kooperation mit den anderen Vereinen der Samtgemeinde Sittensen. Um auch den Herrenfußballern eine Spielmöglichkeit mit mehr als nur einer Mannschaft zu erhalten, hat der Verein aus dem Landkreis Rotenburg seine Fußballabteilung in 2019 teilweise ausgegliedert. Die Herrenfußballer sind im kürzlich neu gegründeten FC Nordheide aktiv. Das sind gute Lösungen für den rund 300 Mitglieder zählenden Verein, weil er in der Samtgemeinde von Sittensen einen gesellschaftlich hohen Stellenwert besitzt. Dies erfuhr die NFV-Verbandsspitze beim jüngsten Vereinsdialog beim SV Hamersen.

Eine Konstellation, die im Niedersächsischen Fußballverband selten ist, aber beweist, dass auch ein relativ kleiner Verein einen wichtigen sozialen Beitrag im Gemeindeleben leistet. Die Altherrenfußballer fühlen sich in ihrem Ort sehr wohl. Was auch daran liegt, dass sie auf einem top präparierten Rasenplatz spielen können, den die Vereinsmitglieder eigenständig pflegen. „ Wir werden von der Gemeinde sehr gut unterstützt, deshalb haben wir keine finanziellen Sorgen. Die Energiekosten zahlt die Gemeinde, die vom Eigentümer den Platz gepachtet hat“, verrät SV-Vorsitzender Michael Kaiser. Im kleinen, aber feinen Sporthaus - so wie die Fußballer ihr Vereinsheim nennen - treffen sie sich nach dem Training und den Spielen in geselliger Runde.
Die Jugendlichen spielen beim benachbarten VfL Sittensen, der insgesamt 237 junge Fußballer betreut. Dort wollen die Verantwortlichen in nächster Zeit einen Kunstrasenplatz bauen. Dazu Jörg Tomelzick vom VfL Sittensen: „Die Gemeinde Sittensen fördert den Kunstrasenplatz, weil wir mit dem Umweltministerium Niedersachsen eine Musteranlage in Sittensen erstellen. Dieser Platz soll nach Fertigstellung als Pilotprojekt für alle weiteren Anlagen dienen.“

Im Sinne des Umweltschutzes tauschen sich der DFB, der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) mit der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) aus, um eine sinnvolle Lösung zu finden. Denn es geht nicht nur um den Bau zukünftiger Plätze, sondern auch um den Bestandsschutz der vorhandenen Flächen. Sollte ein Verbot unvermeidbar sein, sprechen sich DFB und DStGB für möglichst lange Übergangsfristen entsprechend der Nutzungsdauer einer Kunststoffrasenfläche (12 bis 15 Jahre) aus.

Auch das Thema Jugendspielgemeinschaften (JSG) wurde beim Vereinsdialog ausführlich diskutiert. Der SV Hamersen fragte, warum nicht mehr als drei Vereine in einer JSG spielen dürften? Hans-Günther Kuers, NFV-Vizepräsident und Moderator der Veranstaltung, nannte einen Grund: „Wir sehen die Jugendspielgemeinschaften als Notgemeinschaften an. Deshalb sind wir für maximal drei Vereine. Es sollen keine jungen Fußballer auf der Strecke bleiben, was eventuell bei vier teilnehmenden Vereinen der Fall sein könnte.“ Rotenburgs Jugendausschuss-Vorsitzender Detlef Reich glaubt allerdings, dass aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge diese Regelung im nächsten Jahr wohl aufgeweicht werden müsse.

Ein weiteres Thema des Vereinsdialogs war der Schiedsrichtermangel. Moderator Kuers nannte den Hauptgrund: „Die Schiedsrichter werden im Amateurfußball häufig durchbeleidigt. Wenn sich das nicht ändert, werden wir keine jungen Menschen mehr finden, das Amt des Schiedsrichters auszuüben. Der NFV-Präsident Günter Distelrath ergänzte: „Die Vorbildfunktion der Bundesliga fehlt vollkommen. Es ist schwer Nachwuchs zu bekommen, wenn sich mögliche Schiedsrichterkandidaten die Unsportlichkeiten jedes Wochenende im Fernsehen anschauen können.“

Eine noch flexiblere Winterpause wünscht sich der SV Hamersen. Alle Beteiligten sind sich aber darüber im Klaren, wie schwierig es ist, sie im Sinne aller Beteiligten zu planen. Ein weiteres viel diskutiertes Thema ist „e-Football“. Diese noch nicht etablierte neue Sportart findet nicht überall Zustimmung. „Wir können uns diesem Trend aber nicht widersetzen, denn wir möchten die jungen Menschen, die e-Football gerne spielen, für den Fußball nicht verlieren“, betont Distelrath. Rotenburgs Kreisvorsitzender Uwe Schradick ergänzt: „Bei uns im Kreis gibt es ein großes Interesse für e-Football. Das zeigt die hohe Anmeldezahl bei unserer Kreismeisterschaft.“

Abschließend ein Blick auf die Finanzen: Der SV Hamersen hat trotz moderater Vereinsbeiträge keine Schulden. Der Familienbeitrag liegt bei 75 Euro pro Jahr, Erwachsene allein zahlen 40 Euro pro Jahr. Der 90minütige Vereinsdialog in Hamersen war der 12. in diesem Jahr und schloss damit die Veranstaltungsreihe für 2019 ab.

Foto: Beim Vereinsdialog in Hamersen vorne von links: Detlef Reich, Regina Thurisch, Günter Distelrath, Michael Kaiser, Hans-Günther Kuers, Regina Blanken. Hinten von links: Bernd Dierßen, Heinz-Hermann Tietjen, Jörg Tomelzick, Frank Michaelis, Michael Simon, Uwe Schradick, Jan Detjen, Johannes Schröder, Ralf Milbrandt, Christoph Beismann, Thorsten Kaiser.

Foto: Kramer

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Seite zuletzt aktualisiert am: 06.12.2019