22.08.2019

Sexualisierte Gewalt auch bei Fußballern ein Thema

Autor / Quelle: Joachim Riegel (Presseausschuss), Frauke Hellwig (Zevener Zeitung)

NFV-Referatsleiter Sebastian Ratzsch referiert auf dem Kreisjugendstaffeltag in Selsingen und macht Werbung für Qualifizierungsmaßnahmen.

Der Kreisjugendstaffeltag ist für den NFV-Kreis Rotenburg nicht nur eine Gelegenheit auf die vergangene Saison zurück- und die kommende vorauszublicken, sondern auch um Trainer, Jugendobleute, Betreuer und den Kreisvorstand für mitunter schwierige Themen zu sensibilisieren. In diesem Jahr hatte Detlef Reich, der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, mit Sebastian Ratzsch den Referatsleiter Nachhaltigkeit/Masterplan Amateurfußball des Niedersächsischen Fußballverbandes eingeladen, um das Augenmerk auf sexualisierte Gewalt im Fußball zu legen.

„Es spricht ja niemand darüber“, sagt Detlef Reich, obwohl es bereits beim DFB sowie in einzelnen anderen Landesverbänden Vorfälle sexualisierter Gewalt gegeben habe. „Daher wollen wir auf dieses Thema jetzt eingehen, damit die Vereine noch etwas wacher werden und stärker darauf achten. Nichts ist schlimmer als wenn so etwas im eigenen Verein passiert.“

Der Staffeltag sei daher geradezu prädestiniert um diesen heiklen Bereich weiter in die Öffentlichkeit zu bringen, denn an diesem Tag kommen Vertreter aller Vereine des NFV-Kreises Rotenburg zusammen die über eine Jugendabteilung verfügen. Das sind immerhin mehr als 30 die ihre Trainer, Jugendobleute und Betreuer geschickt haben - auch um darüber zu sprechen, welche Präventionsmaßnahmen sie ergreifen und wie sie auf einen möglichen Vorfall bei ihnen im Verein reagieren können.

Sebastian Ratzsch erläuterte dabei was zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bereits auf die Beine gestellt wurde und welche Maßnahmen noch geplant sind. „Fußball und Sport im Allgemeinen bietet Chancen und Möglichkeiten für Spaß und Freude, aber eben auch Chancen und Möglichkeiten für Menschen mit bestimmten Neigungen, diese dort auszuleben“, so Ratzsch. Das passiere auch, doch die Fälle würden mittlerweile schneller an die Öffentlichkeit gelangen als früher. „Seit etwa 2010 verzeichnet man einen stetigen Bedeutungszuwachs dieser Thematik auch im Fußball.“

Die Aufgaben des NFV in diesem Zusammenhang seien zum einen,Kinder und Jugendliche zu schützen, Trainer, Betreuer und auch Schiedsrichter zu sensibilisieren und zu schulen, die Betroffenen vor Denunziation zu schützen, alle Beteiligten aufzufordern Verdachtsmomente zu melden, Vereinsfunktionären ihre Verantwortung bewusst zu machen sowie schlussendlich auch die Eltern sowie die Öffentlichkeit auf die Thematik aufmerksam zu machen. „Kinder und Jugendliche sollen ihrer Leidenschaft im Verein ungefährdet nachgehen können, daher mussten wir strategisch an diese Aufgabe herangehen um die Schwächsten zu schützen.“

Dazu habe man nach Beschlüssen des NFV-Präsidiums im März 2012 einen Strategieplan mit drei Ansatzpunkten entwickelt. Ein Teil davon war die allgemeine Information beziehungsweise Aufklärung über den Ratgeber „Tu was und sprich darüber“ im Jahr 2015, die Qualifizierung der Trainer, Jugendobleute und Betreuer in den einzelnen Vereinen sowie die Gründung einer Anlaufstelle zu Anfragen und auch Meldungen von Verdachtsfällen.

Die ebenfalls neu gegründete Arbeitsgruppe hat die Themenfelder Aufklärung und Qualifizierung bearbeitet und als dritter Punkt wurde ein Aufruf zur Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses von ehren- und hauptamtlichen NFV-Führungskräften sowie Lizenz-Ausbildungs-Teilnehmern verkündet. „Ein solches Führungszeugnis ist ein Teil der Prävention, aber kein Garant dafür, dass nichts passiert“, führte Ratzsch weiter aus. Dazu biete der Verband ein themenspezifisches Fortbildungsmodul an, das das primäre Ziel hat, Kinder und Trainer zu schützen. Inhalte seien Aufklärung, Prävention sowie Intervention und Verhaltenskodex, als Zielgruppe würden Trainer, Betreuer und auch Vereinsfunktionäre angesprochen.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie man sexualisierte Gewalt erkennen könne, legte er allen Beteiligten diese Fortbildung wärmstens ans Herz, um derart gelagerte Probleme möglichst frühzeitig zu erkennen. Doch auch der NFV geht dem Thema weiter nach und wird den Bereich Aufklärung und Qualifizierung um den Aspekt „Soziale Medien“ erweitern, schloss Sebastian Ratzsch seinen Vortrag.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 19.09.2019