27.11.2017

Vereinsdialog beim TSV Gnarrenburg: Eigentümer ohne Grund und Boden

Autor / Quelle: Rainer Kramer, NFV / Joachim Riegel, Presseausschuss

Eigentümer ohne Grund und Boden. Der TSV Gnarrenburg ist nicht ganz glücklich. Er hat drei gut gepflegte Rasenplätze und ein Vereinsheim, die sich auf einem Grundstück befinden, das einem Privatmann gehört, der „noch“ nicht bereit ist, das Gelände an den TSV und der Gemeinde Gnarrenburg zu veräußern. Dies erfuhr die Delegation des Niedersächsischen Fußballverbandes beim jüngsten Verbandsdialog im Kreis Rotenburg (Wümme).

Der Pachtvertrag für den Hauptplatz mit Vereinsheim läuft noch bis 2020, Verhandlungen mit dem Eigentümer konnten leider noch nicht geführt werden. Die zwei weiteren Plätze sind langfristig gepachtet. Der TSV Gnarrenburg hat 1328 Mitglieder. Die Fußballsparte zählt 355 Mitglieder, darunter sind 18 Personen weiblich. 22 Jugendteams sind in einer Spielgemeinschaft mit vier Vereinen vereint. Die erste Herrenmannschaft spielt in der Kreisliga Rotenburg und belegt derzeit mit nur drei Punkten abgeschlagen den letzten Platz. Den Spielbetrieb des TSV komplettieren eine zweite Herrenmannschaft und ein Altherrenteam.

Das Vereinsleben leidet jedoch nicht darunter, was unter anderem auch daran liegt, dass die Gemeinde Gnarrenburg den Sport finanziell gut unterstützt, wovon auch die Fußballer des TSV profitieren. Außerdem kooperiert der Verein mit der hiesigen Ganztagsschule, um auch in Zukunft noch genügend Nachwuchsfußballer zu haben, was bei der starken Konkurrenz in der Nachbarschaft nicht ganz einfach ist. „Wenn wir jedes Jahr 5000 Euro in die Spielgemeinschaft reinpumpen und unsere Spieler gehen dann zu den Nachbarvereinen, ist das für uns ein großes Ärgerniss“, beklagte Helmut Riggers, 1. Vorsitzender beim TSV Gnarrenburg. Bernd Dierßen, stellvertretender Direktor des NFV, kennt das Problem und riet den Vereinsverantwortlichen: „Ich würde für jeden Nachwuchsspieler, der zu einem Nachbarverein wechselt, eine Ausbildungsentschädigung vereinbaren.“

Dass es Spaß macht beim TSV Gnarrenburg Fußball zu spielen, können auch die 25 Flüchtlinge bestätigen, die zeitweise im Verein aktiv betreut und vorbildlich integriert wurden. „Die Integration verlief bei uns problemlos“, berichtete Helmut Riggers. Aber auch alle anderen Mitglieder im Verein fühlen sich wohl und werden bestens betreut. Die Mitgliedsbeiträge sind moderat. So zahlen Kinder und Jugendliche 5,50 Euro monatlich sowie Erwachsene 7,50 Euro. Die Familienkarte ist für monatlich 15 Euro erhältlich.

„Wer übernimmt im Verein in Zukunft noch ein Ehrenamt?“ Diese zentrale Frage stellten NFV-Vizepräsident Hans-Günther Kuers und Kreisvorsitzender Uwe Schradick. Mit Nachwuchsproblemen im ehrenamtlichen Bereich hat der TSV Gnarrenburg wie viele Vereine in Niedersachsen zu kämpfen. „Das ist ein schweres und weites Feld“, berichteten Kuers und Schradick, die natürlich auch „kein Patentrezept“ anbieten konnten.

Die Verantwortlichen des TSV Gnarrenburg müssen sich also mächtig ins Zeug legen, um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben. Denn auch im Schiedsrichterbereich gibt es ein Problem: Der TSV stellt derzeit nur einen Unparteiischen und die Nachfrage „ist mau“. Unter anderem setzt der Verein auf eine neu gestaltete Internetseite. „Wir möchten damit das Interesse für unsere Sportlerinnen und Sportler und den interessierten Begleiter im Sport wecken“, betont der Helmut Riggers, der den Gesamtverein mit 19 Sparten führt. Ein reichhaltiges und interessantes Sportangebot, das von Karate über Tischtennis bis zum Lauftreff reicht. Es ist für alle sportbegeisterten Kinder, Jugendliche und Erwachsene etwas dabei. Mittendrin die 355 aktiven und nicht aktiven Fußballerinnen und Fußballer, die beim TSV Gnarrenburg mit den top gepflegten Rasenplätzen und zwei Sporthallen beste Voraussetzungen im Ort vorfinden.

Die Rasenplätze sind gut gepflegt, so dass sie fast immer bespielbar sind. „Ein Kunstrasenplatz wird nicht benötigt, er wäre bei uns finanziell auch gar nicht darstellbar“, erklärt Andreas Tietjen (Jugendobmann). Wie Kreisvorsitzender Uwe Schradick mitteilt, gibt es im gesamten Kreis keinen Kunstrasenplatz.

Auch wenn der TSV Gnarrenburg derzeit noch nicht Eigentümer mit Grund und Boden ist und bei der ersten Herrenmannschaft tabellarisch derzeit Tristesse herrscht, blicken die Verantwortlichen optimistisch in die Zukunft, wie es sich für einen breit aufgestellten Verein mit 19 Sparten auch gehört. Denn das Gemeinschaftsgefühl prägt den TSV quer durch alle Abteilungen, Das ist bei einer sportlichen Durststrecke - wie derzeit in der Fußballabteilung - besonders wichtig. Da hilft dann auch ein Blick in die Vergangenheit. In den 50iger Jahren sorgte der TSV Gnarrenburg für Furore und spielte einige Jahre in der Fußball-Amateuroberliga Niedersachsen.

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Beim Vereinsdialog des TSV Gnarrenburg vordere Reihe von links: Helmut Riggers (1. Vorsitzender TSV), Hans-Günther Kuers (NFV-Vizepräsident), Bernd Dierßen (Stellvertretender Direktor beim NFV), Uwe Stengel (kommissarischer Vorsitzender des NFV-Sportgerichtes im Kreis Rotenburg), Rainer Huntemann (2. Vorsitzender TSV.) Hintere Reihe von links: Manfred Wellbrock (Fussballobmann TSV), Andreas Tietjen (Jugendobmann TSV), Hans-Jürgen Kotteck (Vorsitzender des NFV-Ausschusses für Qualifizierung im Kreis Rotenburg), Uwe Schradick (Vorsitzender des NFV-Kreises Rotenburg), Detlef Reich (Vorsitzender des Jugendausschusses im Kreis Rotenburg ) und Christoph Beismann (NFV-Sachbearbeiter Masterplan).

 

 

 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 05.12.2017